„Mir tun die Füße weh“ „Ich bin so kaputt“ ….. Sätze, die mein Mann nach einem langen Arbeitstag oft von mir zu hören bekam. Ich liebe die Arbeit mit den Kunden. Aber nach 10 Stunden auf Hackenschuhen wird jede Frau wissen was ich meine.

So war es auch vor zwei Wochen. Es war schon später Nachmittag, ich habe wieder mal still vor mich hin gejammert, als die Tür auf ging und eine junge, auffallend fröhliche Frau die Boutique betrat. Mit ihr ein kleines blondes Mädchen, vielleicht 3-4 Jahre, Engelslöckchen und Sommersprossen. Rosa Kleidchen, Sandalen.  Ein Kind, was man eigentlich sofort klauen möchte. Im Rollstuhl.

Die Kundin war ausgesprochen offen, erzählte mir für welchen Anlass sie suchen würde und zusammen gingen wir auf die Jagd nach ihrem Traumkleid. Die kleine Maus immer an unserer Seite, ganz alleine mit ihrem Rollstuhl. Ich war beeindruckt, wieviel Kraft so ein kleines Kind aufbringen kann, so ein Gefährt selbstständig fortzubewegen. Jammere ich doch schon, wenn ich die volle Schubkarre durch den Garten schiebe….

Die Mutti hat die Kleider durch probiert und das Mädchen fuhr durch die Boutique um sich alles anzusehen. Mir fiel auf, dass ihre Räder beim fahren blinkten und sprach sie darauf an. Voller stolz hat sie mir dann ihre coolen Reifen in voller Fahrt präsentiert und wir hatten wirklich Spaß.

Als die Mama ihr Kleid gefunden hat, sah das Mädchen zu unseren Blumenkinderkleidern herüber und wünschte sich so sehr, sich diese ansehen zu dürfen. Ich bin mit ihr in die Brautabteilung, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Anders als bei vielen anderen Kindern forderte diese Kleine gar nicht ein, ein solches Kleid besitzen zu dürfen, sie wollte sie wirklich nur ansehen. Ich war wirklich baff.

An der Kasse angekommen sagte die Kleine auf einmal „Mama, mir tut der Rücken weh“

Ich hatte schon wahr genommen, dass die Fortbewegung im Rollstuhl für das Kind eine Herausforderung war, und so fragte ich die Mama warum ihre Tochter denn im Rollstuhl säße.

Die kleine Zaubermaus hat eine Muskelerkrankung, daher der enorme Kraftaufwand, mit dem sie sich fortbewegte.

Ich habe mich in diesem Moment sehr für mein Jammern geschämt, mein Mann hat seit dem Tag auch nichts dergleichen mehr von mir gehört. Ich bin so tief bewegt von diesem Kind, von dieser Kraft und der Leichtigkeit, mit der die Mutti und die Tochter bei uns im Laden waren. So lebensbejahende fröhliche Menschen…..

Ich habe immer gedacht, warum werden Kinder krank geboren? Was für eine Strafe muss das für die Eltern sein? Aber dieser Sonnenschein hat mich eines besseren belehrt. Dieses Kind war keine Strafe, dieses Kind war ein Geschenk.

Das sind Momente, die einen sehr traurig machen, denn die Wahrscheinlichkeit, diese Familie wieder zu sehen ist natürlich gering. Wie gerne würde ich in ein paar Jahren wissen, wie es der Kleinen ergangen ist, ob ihre Operationen die ihr bevor stehen Besserung gebracht haben….. Ich kann solche Sachen nicht auf der Arbeit lassen, ich nehme diese Dinge mit nach Hause und werde sie nie vergessen. So wie ich dieses Kind und ihre bezaubernde Mutter nie vergessen werde. In diesen Momenten kann ich ihr aus der Ferne nur alles Glück der Erde wünschen. Ein möglichst normales Leben ohne Schmerzen und voller Sonnenschein.

Und nie wieder werde ich jammern, wenn meine Füße schmerzen. Nie wieder werde ich maulen, wenn ich die volle Schubkarre durch den Garten schiebe.

Danke kleine Maus, dass Du mir in dieser kurzen Zeit in unserer Boutique so viel beigebracht hast.

Ariana Dahms – Kundenberaterin Astrapahl

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